Segeln gegen die Festung Europa

Das Wendland schickt ein Schiff!

22 Menschen gerettet- Segelboot im Hafen festgesetzt

25.08.2025 Lampedusa / Wendland

Nach der Rettung von 22 Menschen wurde gestern Abend einem deutschen Segelboot in Lampedusa verboten, den Hafen zu verlassen. Der Besatzung wird vorgeworfen, die sogenannte Libysche Küstenwache nicht informiert zu haben, als sie die Menschen aus einem seeuntüchtigen Boot gerettet haben. Die Festsetzung wird vorraussichtlich für 10- 20 Tage verordnet. Sie gilt ab gestern.

Am Morgen des 24.8.2025 entdeckte die Crew der TROTAMAR III vor der Küste Libyens ein
Glasfaserboot in Seenot, in dem 3 Frauen und 19 Männer seit Stunden auf dem offenen Meer den Wellen ausgesetzt waren. Nach Übermittlung eines Notrufs an die italienischen und maltesischen Behörden, entschied sich der Skipper Matthias Wiedenlübbert, die Menschen direkt an Bord zu nehmen, um sie vor dem Ertrinken und einem drohenden illegalen Pullback durch die sogenannte Libysche Küstenwache nach Libyen zu schützen.

Schon am Vorabend, den 23.8.2025 um 21.15 Uhr wurde die TROTAMAR III massiv in ihrer
Bewegungsfreiheit eingeschränkt und abgedrängt, als ein Patrouillenboot der sg. Lib. Küstenwache dicht an Backbord heranfuhr und im Funkverkehr auch mit „Fire“ (Schusswaffengebrauch) drohte. In diesem Fall war die Besatzung einem May Day Relay von Sparrow 2 („ blue wooden boat adrift, app. 30 people“) gefolgt und wurde mit Gewalt abgehalten, ihre Pflicht zur Seenotrettung zu erfüllen.

Die TROTAMAR III führt seit 2 Jahren Such- und Rettungseinsätze vor der tunesischen und libyschen Küste durch. In 18 Einsätzen konnten durch Alarmierung der zuständigen Rettungsleitzentralen 2345 Menschen von der italienischen Küstenwache gerettet werden, nachdem sie vorher mit Rettungswesten und Trinkwasser über Stunden von der Besatzung des zivilen Segelboots unterstützt wurden. 417 Menschen wurden bisher direkt auf das Segelboot gerettet und nach Lampedusa gebracht. Die verantwortlichen Skipper informieren dabei zeitnah und regelmäßig die Seenotzentralen in Rom und Malta, verweigern aber die Weitergabe von Position und Information über die Schiffbrüchigen an Behörden in Tripolis oder Tunis. „Würden wir die sogenannte Libysche Küstenwache über einen Seenotfall informieren,nähmen wir damit in Kauf, dass die Flüchtenden gewaltsam zurück nach Libyen verschleppt werden. Dies wäre dann keine Rettung, sondern ein ilegaler Pullback und somit Beihilfe zur Verletzung der Menschenrechte. Das ist weder mit geltendem Recht noch mit unserem Gewissen vereinbar“ so Matthias Wiedenlübbert, Skipper an Bord der TROTAMAR III.

Katja Tempel, Pressesprecherin des CompassCollective erklärt: „Wenn die italienische Regierung mit Rückenstärkung vieler europäischer Staaten die Zivile Seenotrettung kriminalisieren will, dann ziehen wir vor Gericht. Wir werden gegen die Festsetzung der Trotamar III klagen
und die Umsetzung der UN-Menschenrechtskonvention fordern: Libyen und Tunesien können keinen Sicheren Hafen (Port Place of Safety) für Flüchtende bieten, deshalb lassen wir unsere Rettungsaktionen nicht von ihnen koordinieren. Jeder Tag, an dem ein Seenotrettungsschiff festgesetzt ist, erhöht das Risiko, das mehr Menschen im Mittelmeer ertrinken.“

Die von der TROTAMAR III aufgenommenen Menschen waren aus Zuwara (Libyen) gestartet und stammen aus den Ländern Irak, Somalia, Ägypten, Sudan, Bangladesh und Äthiopien. Seit gestern Mittag sind sie in Lampedusa und werden dort in einem Hotspot versorgt, bis sie auf das italienische Festland gebracht werden.

Das CompassCollective mit dem Segelboot TROTAMAR III stammt aus dem Wendland, der Region in Niedersachsen, die 40 Jahre lang von der Auseinandersetzung um die Atomenergie geprägt wurde. Zivilgesellschaftlicher Protest konnte am Ende ein Atommüll-Endlager in Gorleben verhindern und bringt jetzt den Rückenwind, um solidarisch gegen Abschottung und das Sterben auf dem Mittelmeer anzusegeln.

Bildmaterial zur freien Verfügung unter Nennung des CompassCollective als Quelle finden Sie am Ende dieser Meldung.

Für weitere Informationen und Nachfragen:
Katja Tempel, Pressekontakt
+49 160 44 00 206
Skipper Matthias Wiedenlübbert (zur Zeit in Lampedusa)
+49 170 804 2056
Presse@compass-collective.org