10.09.2025 Licata (Sizilien)
Nach der Rettung von 22 Menschen in der von Libyen koordinierten Rettungszone wurde das deutsche Segelboot TROTAMAR III von den italienischen Behörden wegen Nichteinhaltung des Piantedosi-Dekrets in Verwaltungshaft genommen und mit einer Geldstrafe belegt. Nach dem dagegen eingelegten Widerspruch entschied das Gericht von Agrigento (Sizilien), dass die Festsetzung des Bootes sofort als unrechtmäßig aufgehoben werden muss.
Das Gericht erließ eine Eilentscheidung, mit der es innerhalb weniger Tage auf die Beschwerde reagierte.
Es begründet die Aussetzung der Verwaltungsbeschlagnahme (Festsetzung) (R.G. n.2064/2025): Sie sei nur dann zulässig, wenn der Skipper Anweisungen der italienischen SAR-Behörde missachtet hätte. Da es keine Anweisung gab, mit der libyschen Küstenwache zu kommunizieren, wird – unter Berücksichtigung „der besonderen Jahreszeit, dem Sommer, in dem eine Zunahme der Migrationsstöme im Mittelmeer“ gegeben sei – die Festsetzung ausgesetzt.
Das Verfahren wird bis zu einer endgültigen Entscheidung fortgesetzt werden, wobei CompassCollective weiterhin die Ungerechtigkeit des kriminalisierenden Vorgehens der italienischen Behörden gegen zivile Schiffe, die Rettungsmaßnahmen auf See durchführen, darlegen, sowie auf die Ungeeignetheit der sogenannten Libyschen Seenotleitstelle hinweisen wird.
Die Anwälte vom CompassCollective, Dario Belluccio und Francesca Cancellaro, sind zufrieden mit der raschen Entscheidung, die die Aktivitäten der Organisation nicht gefährdet hat.
Katja Tempel, Presseprecherin des CompassCollective kommentiert: „Wieder einmal zeigen italienische Gerichte Mut und revidieren übergriffige Verwaltungsakte. Natürlich werden wir auch weiterhin die sogenannte Libysche Küstenwache nicht in Rettungen involvieren. Das verbietet unsere Menschlichkeit.“
Zum Fall:
Am Morgen des 24.8.2025 entdeckte die Crew der TROTAMAR III vor der Küste Libyens ein Glasfaserboot in Seenot. Nach Übermittlung eines Notrufs an die italienischen und maltesischen Behörden, entschied Skipper Matthias Wiedenlübbert, die 22 Menschen direkt an Bord zu nehmen, um sie vor dem Ertrinken und einem drohenden illegalen Pullback durch die sogenannte Libysche Küstenwache nach Libyen zu schützen.
Schon am Vorabend, den 23.08.2025 um 21.15 Uhr wurde die TROTAMAR III massiv in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt und abgedrängt, als ein Patrouillenboot der sog. Lib. Küstenwache dicht an Backbord heranfuhr und im Funkverkehr auch mit „Fire“ (Schusswaffengebrauch) drohte. In diesem Fall war die Besatzung einem May Day Relay eines Frontex-Flugzeugs gefolgt und wurde mit Gewalt abgehalten, ihre Pflicht zur Seenotrettung zu erfüllen.
Die TROTAMAR III führt seit 2 Jahren Such- und Rettungseinsätze vor der tunesischen und libyschen Küste durch. In 18 Einsätzen konnten durch Alarmierung der zuständigen Rettungsleitzentralen 2345 Menschen von der italienischen Küstenwache gerettet werden, nachdem sie vorher mit Rettungswesten und Trinkwasser über Stunden von der Besatzung des zivilen Segelboots unterstützt wurden. 417 Menschen wurden bisher direkt auf das Segelboot gerettet und nach Lampedusa gebracht. Die verantwortlichen Skipper:innen informieren dabei zeitnah und regelmäßig die Seenotzentralen in Rom und Malta, verweigern aber die Weitergabe von Position und Information über die Schiffbrüchigen an Behörden in Tripolis oder Tunis.
Das CompassCollective mit dem Segelboot TROTAMAR III stammt aus dem Wendland, der Region in Niedersachsen, die 40 Jahre lang von der Auseinandersetzung um die Atomenergie geprägt wurde. Zivilgesellschaftlicher Protest konnte am Ende ein Atommüll-Endlager in Gorleben verhindern und bringt jetzt den Rückenwind, um solidarisch gegen Abschottung und das Sterben auf dem Mittelmeer anzusegeln.
Bildmaterial zur freien Verfügung unter Nennung des CompassCollective als Quelle finden Sie weiter unten hier auf der Seite.
Für weitere Informationen und Nachfragen:
Katja Tempel, Pressekontakt
+49 160 44 00 206
Skipper, Matthias Wiedenlübbert
+49 170 804 2056
Presse@compass-collective.org
www.compass-collective.org/
