Segeln gegen die Festung Europa

Das Wendland schickt ein Schiff!

Segelboot Trotamar III ist nach 29 Tagen gerichtlicher Festsetzung wieder frei

Licata (Sizilien) / Wendland, 29.07.2026
(english below/ italiano di seguito)

Gestern hat das Verwaltungsgericht von Agrigent (Sizilien) die aktuelle Festsetzung des Rettungsschiffes Trotamar III ausgesetzt. Damit gab das Gericht teilweise einem Eilantrag recht, den das CompassCollective mit seinen Anwält:innen eingereicht hatte, um gegen die Festsetzung vom 30. Juni 2026 zu protestieren. Das Gericht begründet die Aussetzung der Verwaltungshaft unter anderem mit der „gefährlichen Situation auf dem zentralen Mittelmeer“ im Sommer, wenn vermehrt flüchtende Menschen versuchen, das Meer zu überqueren.  

Nicht ausgesetzt hat das Gericht allerdings die Geldstrafe über 10.000 Euro, die von den italienischen Behörden auf Basis des Piantedosi-Dekrets zusammen mit der Festsetzung von ursprünglich 45 Tagen verhängt worden war. Die Festsetzung war erfolgt, nachdem die Crew der Trotamar III am 29. Juni 2026 25 Menschen aus Seenot in der libyschen Such- und Rettungszone gerettet hatte, ohne mit den libyschen Behörden zu kommunizieren. Dazu Skipper Matthias Wiedenlübbert: „Wir konnten nur knapp eine gewaltvolle Zurückführung der Menschen durch die sogenannte libysche Küstenwache verhindern, die kurz nach unserer Rettung auftauchte. Libyen ist kein sicheres Land für flüchtende Menschen: Dort droht ihnen ein Teufelskreis aus Gewalt, Inhaftierung, Erpressung und Folter. Mit Libyen zu kommunizieren bedeutet, sich an Menschenrechtsverletzungen zu beteiligen. Das ist für uns ausgeschlossen.“

Das Verfahren um die nunmehr dritte Festsetzung der Trotamar III wird in einer ersten Anhörung am 8. September 2026 verhandelt und bis zu einer endgültigen Entscheidung fortgesetzt. Dabei weist das CompassCollective darauf hin, dass die sogenannte libysche Seenotleitstelle keine kompetente Behörde ist und die sogenannte libyschen Küstenwache gewaltvolle Pullbacks statt Rettungen durchführt. Weiterhin kritisiert die NGO die Unrechtmäßigkeit des Piantedosi-Dekrets, auf dessen Grundlage die italienischen Behörden immer wieder zivile Seenotrettungsschiffe für ihre Arbeit auf dem Mittelmeer kriminalisieren – obwohl diese im Einklang mit internationalem Seerecht erfolgt. 

Über das CompassCollective

Das CompassCollective mit dem Segelboot TROTAMAR III stammt aus dem Wendland, der Region in Niedersachsen, die 40 Jahre lang von der Auseinandersetzung um die Atomenergie geprägt wurde. Zivilgesellschaftlicher Protest konnte am Ende ein Atommüll-Endlager in Gorleben verhindern und bringt jetzt den Rückenwind, um solidarisch gegen Abschottung und das Sterben auf dem Mittelmeer anzusegeln.

Mit der Trotamar III finden seit drei Jahren Such- und Rettungseinsätze vor der tunesischen und libyschen Küste statt. In 24 Einsätzen konnten durch Alarmierung der zuständigen Rettungsleitzentrale 2017 Menschen von der italienischen Küstenwache gerettet werden, nachdem sie vorher mit Rettungswesten und Trinkwasser über Stunden von der Besatzung des zivilen Segelboots unterstützt wurden. 432 Menschen wurden bisher direkt auf das Segelboot gerettet und nach Lampedusa in Sicherheit gebracht.

Pressekontakt


Ina Friebe
presse@compass-collective.org
Matthias Wiedenlübbert, Skipper
+49 170 804 2056